Samstag, 27. September 2008

Krise - Der Alptraum geht weiter

In der aktuellen wirtschaftliche Lage, ist es im Moment wichtig, sich nicht nur mit qualitativen Argumenten (z.B. "Paulsons «Rettungsplan» wird die Erhöhung der Staatsverschuldung, also Senkung der $ Wertes nach sich ziehen"), sondern Zahlen gegenüberzustellen, um zu sehen welches die dominierende Faktoren sind.


Zu erst mal einfache nützliche Zahlen:


- US-BIP: 14'312 Milliarden $

- Öffentliche Netto Verschuldung: 5'300 Milliarden $

(ca. 38% des BIP). Dieser Betrag ist die die Summe die die US-Regierung dem Ausland

schuldet.

Gesamte US-Schulden: 51'019 Milliarden $

Aktiva der FED: 900 Milliarden $ (ca.)

Da ist zu bemerken, dass die gesamte Verschuldung ca. 10 mal grösser als die öffentliche

Verschuldung ist.


Fazit: die private Verschuldung ist bei weitem grösser als die öffentliche Verschuldung.


Nun, zu Paulsons «Rettungsplan»


1) Der rettungsplan, die Verschuldung, die Inflation und die Deflation


Die US-Regierung stellt 700 Milliarden $ zur Verfügung um den Finanzinstitutionen ihren

Notleidenden Aktiva abzukaufen, und sie zu einem späteren Zeitpunkt (sehr wahrscheinlich

mit Verlust) wieder zu verkaufen.


Trotz diesem beeindruckenden Betrag wird sich an der Gesamtverschuldung nicht viel ändern. Angenommen die US-Regierung kann diese Aktiva mit 40% Verlust wieder verkaufen würde sie einen effektiven Verlust von 280 Milliarden $ einfahren.

Das Ratio Öffentliche Netto Verschuldung / BIP würde um 2% steigen.....die Öffentliche Netto Verschuldung würde von 38% auf 40% des BIP steigen.

Würde dies tatsächlich eine « unkontrollierbare Hyperinflation » oder einen Staatsbankrott auslösen?

Nicht unbedingt!

Eine kleine Bemerkung zwischendurch: während des Zweiten Weltkriegs explodierte die Öffentliche Verschuldung der USA von 40% auf 110% des BIP in wenigen Jahren. Ohne eine Hyperinflation auszulösen, oder einen Zusammenbruch des $ zu verursachen.


2) Kann Paulsons Plan aufgehen?

Da gehen natürlich die Meinungen auseinander. Lassen wir mal das politische Tauziehen ausser Acht und schauen wir uns mal die Lage auf dem Kreditmarkt an.


A) – Kann die Regierung der USA die Krise unter Kontrolle halten kann?


Ich glaube, dass dies im Moment noch möglich ist, wenn sich die Krise auf den Hypothekarmarkt beschränkt. Wobei man fragen sollte ob die Grundprobleme im System gelöst werden können oder ob man nur den GAU etwas verzögert.

Die gesamte Verluste auf dem Hypothekar Markt sollten sich auf etwa 800 Milliarde $ beschränken, vielleicht auch 2000 Milliarden $ wenn man noch anderen faule Kredite dazu rechnet: zum Beispiel Kleinkredite, Kreditkarten Schulden oder Kredite an Unternehmen. Ein Teil dieser Verluste könnten dann vom Staat (Steuerzahler) übernommen werden. Der andere Teil würde bei den anderen Marktteilnehmern hängen bleiben.

Nehmen wir in diesem Fall an, dass die US-Regierung 1'000 Milliarden $ dieser Schulden übernehmen würde, dann würde die Öffentliche Verschuldung auf ca. 44% des BIP steigen.


Nicht wirklich erschreckend wenn man bedenkt, dass viele europäischen Staaten schon seit langem mit einer Öffentliche Verschuldung von 60% und mehr nicht schlecht leben.

Selbst wenn man noch die Schulden der Bundesstaaten und der Gemeinden mit einbezieht kommt man auf nur ca. 60% bis 65% des BIP. (Zur Erinnerung: Japans Öffentliche Verschuldung überschreitet 150% des BIP)

Noch nicht was uns wirklich sorgen machen muss!!!!!


B) – Kann die US-Regierung eine Rezession verhindern?


Da könnte es schon schwieriger werden. Die US-Ökonomie ist seit vielen Jahren auf einem nicht überlebensfähigen System aufgebaut.

Dieses System funktionierte ungefähr so: die Verbraucher konsumierten Produkte die sie nicht wirklich brauchten, bezahlten es mit Geld, dass sie nicht hatten und verlangten darüber hinaus, dass das Ausland ihnen die Schulden abkaufte, um das System weiter am Leben zu halten.

Und weil die Schuld an der Misere nicht nur die US-Bürger betrifft, könnte man es auch noch anders definieren:

Alle Produzenten der Welt waren überglücklich ihren Produktionsüberschuss in die USA zu liefern, und nur zu gerne bereit auch noch dafür zu zahlen.

Nämlich den Amerikanern die Schulden abzukaufen.


Zu was ein solches System führt, können wir Heute sehen!

Eine Gesamtschuld der US-Haushalte die förmlich explodiert ist und eine Ökonomie die Jährlich ca. 4'000 Milliarden $ neue Schulden benötigte um am laufen zu bleiben.


Mit der Krise auf den Hypothekarmarkt ist dieses System mit grosser Wahrscheinlichkeit gestorben.

Und da beginnen die wirklichen Schwierigkeiten. Da steht die US-Regierung im Abseits und kann kaum intervenieren. Wegen den Verluste die sie auf den Hypothekarmarkt erlitten haben können oder wollen die Verbraucher nicht noch mehr neue Schulden anhäufen. Würde da der Staat einspringen, müsste er Jährlich ca. 4'000 Milliarden $ neue Schulden aufnehmen, und das würde dann die Öffentliche Verschuldung unkontrolliert explodieren.


Werden die USA in eine Deflation abgleiten? Das wäre gut möglich!


Aber die Probleme könnten wo ganz anders liegen. Die « Finanzkrise » betrifft ja längst nicht

mehr nur den Hypothekarmarkt, sondern geht viel tiefer.

Da könnten schwerwiegenden Probleme auf den Derivaten Märkten entstehen.


Warum zum Beispiel hat die US-Regierung sich geweigert die Lehman Bros. Bank zu retten,

als dies vielleicht noch möglich war?

Ging es wirklich nur, wie manche vermuten, um ein Zeichen zu setzen, und wenn ja an wen

richtete sich dieses Zeichen?


An die Bevölkerung?

An die Finanzwelt?


Es ist anzunehmen, dass sich in gewissen Kreisen langsam die Angst breit macht.

Die Angst vor einem Systemkollaps der weit grösser sein könnte als alles was man bis jetzt

gesehen hat.


Wie man am Montag 22. September in einer Umfrage auf CNN hat sehen können, hat sich in den USA (und wahrscheinlich nicht nur dort) einen starken Pessimismus breit gemacht.

Am 20. September erschien in der Financal Times (das Kampfblatt des Ultraliberalismus)

einen Artikel mit dem schönen Titel «A week that shook the system to its core».

Ein kleiner Ausschnitt: »“The crisis is far from over, the government action will buy banks some time but they will have to act decisively otherwise they will find themselves in an even worse situation in a few months’ time,” said a top Wall Street banker.»


Die ganze schöne virtuelle Welt des « Ultraliberalismus » ist explodiert, und die « Hohe

Priesters der Freie Marktwirtschaft » und der « ungezügelte Globalisierung » haben die

Kontrolle über ihre Geschöpfe (zumindest im Moment) verloren.


Hat man in diesen Kreisen jetzt Angst davor, dass die nächste Blase ebenfalls platzen wird?

Da lauern nämlich noch viel gewaltigere Blasen als die des Hypothekarmarktes.


Wie schon gesagt die 700 Milliarden $ spritze sind nicht wirklich das Problem. ( Wenn man

mal die moralische Seite der Geschichte, nämlich, dass der Steuerzahler für die Gier ein Paar

wenigen zahlen soll, ausser Acht lässt).


Da wären die so genannten CDS - Credit Default swap, und da lauert wirklich einen gewaltigen Sprengsatz.

Ein Credit Default Swap ist ein Kreditderivat oder eine Vereinbarungen zwischen zwei Parteien, bei der eine Seite regelmäßige Zahlungen an die andere tätigt; diese erhält dafür das Versprechen einer Auszahlung, wenn eine dritte Partei in Zahlungsverzug gerät.

Die erste Partei bekommt Kreditschutz, eine Art Versicherung, und heißt »der Käufer«.

Die zweite Partei gewährt Kreditschutz und heißt »der Verkäufer«.

Die dritte Partei, die Bankrott gehen oder in Verzug geraten könnte, wird »Referenzeinheit«

genannt.


Die CDS ähneln einer Versicherungspolice und bieten einen Schutz gegen Zahlungsverzug

oder Zahlungsausfall, können aber auch als Spekulationsobjekt verwendet werden.

Die CDS wurden unglaublich beliebt, als die Kreditrisiken im Verlauf der letzten sieben

Jahre in den Vereinigten Staaten dramatisch zunahmen. Die Banken behaupteten, mit

den CDS könnten sie das Risiko weltweit streuen.


Und da liegt das eigentliche Problem. Mit einem «Kredit-Volumen» von sagenhaften 62'000 Milliarden (manche Schätzungen gehen noch weit höher) ist da eine Blase entstanden die wenn sie zum platzen kommt alles mit sich reissen könnte.


Was so einen SWAP enthält ist so ziemlich undurchsichtig.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel, die Aufsichtsorganisation der großen Zentralbanken der Welt, zeigt sich über die Gefahren höchst besorgt.

Bereits im April warnte sie davor «dass die von den Hedge-Fonds gehandelten billionenschweren Swaps eine Bedrohung für die Finanzmärkte in aller Welt darstellen.»

«Es ist schwierig, ein klares Bild darüber zu bekommen, welche Institution letztendlich einige der übertragenen Bankrisiken halten«,.....Es kann sogar schwer sein, den Betrag des übertragenen Risikos genau zu beziffern.»


Bei einem typischen CDS-Geschäft verkauft ein Hedge-Fonds einer Bank eine Absicherung, die dieselbe dann an eine andere Bank weiter verkauft. Dies Geschäft setzt sich weiter fort und läuft manchmal sogar im Kreis. Dadurch entsteht eine gewaltige Risikokonzentration. Ein führender Derivathändler beschrieb diesen Prozess so: «Das Risiko dreht sich weiter und weiter in dieser Verkettung, wie ein Strudel. In der Mitte davon sitzen nur 6 bis 10 Händler. Ich glaube kaum, dass die Aufsichtsbehörden über die nötigen Informationen verfügen, um das alles herauszufinden.»


Händler und selbst die Banken, die als Händler fungieren, wissen nicht immer genau, was ein Credit-Default-Swap-Vertrag alles umfasst.


Die Dämme beginnen zu bröckeln. Am Freitag 26 September, nach der Pleite der Bank Washington Mutual sieht es danach aus, dass es auf dem CDS Markt einiges an Nervosität gibt!!!!!


Warten wir es mal ab!


EGR / 2008-09-26

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